12.01.2025 Arm und Reich in Kapstadt

Dieses Bild beschreibt am besten, was wir heute erlebt haben.

Dass wir ständig um Geld und Essen angebettelt werden, gehört hier zum Alltag, einmal braucht die Mutter Milch für ihr Baby, wenig später klaubt sie Zigarettenstummel auf, an denen noch zwei Züge zu rauchen sind. Ein Baby sieht man nie bei ihr.

Wir haben die Township Tour gebucht und wollen sehen wie die Menschen dort leben.

Unsere Tour wird in Langa durchgeführt, nach viel Geschichte im Museum zu Apartheid, tauchen wir ein in die unterste Klasse des Townships. Wellblechhütten, Abfall überall und mittendrin die Kinder in einem Hort.

Der Schlafsaal für sie in der dunklen Baracke lässt einen erschrecken.

Auf der anderen Straßenseite liegen die abgehackten blutigen Schafsköpfe, bis auf die Augen ist wohl alles essbar.

Das Mädchen mit dem kleinen Geschwister auf dem Arm hat eine Pistole in der Hand, die jedoch keiner bemerkt und hoffentlich auch nur eine Spielzeugpistole ist.

Ein kleines Mädchen lächelt mich an und will mich unbedingt berühren. Inzwischen sind wir bei der Mittelklasse angekommen, unverputzte Steinbauten. Die kleinen Zwillingsbrüder wollen unbedingt fotografiert werden und ihr Foto auf meinem Handy sehen.

Danach zubbelt einer von ihnen an meiner Wasserflasche in meinem Bauchgurt rum, eine kleine Geste, das er sie haben will und so bleibt die Flasche bei den Jungs im Township.

Die Upperclass gibt es selbst im Township, richtig schöne Häuser, das sind die Wohnungen derer, die den Aufstieg geschafft gaben.

Auf der Rückfahrt in unsere Welt, nur 15 km entfernt, schweigt der komplette Bus, die Eindrücke waren doch sehr beklemmend.

Von unserer Idee den Lion’s Head am Nachmittag zu erwandern, wird uns von mehreren Leuten dringend abgeraten, Sonntag Nachmittag sind Räuber dort unterwegs und ein Pärchen ist das ideale Opfer. Stattdessen geht es für uns zum Kunstmuseum Mocaa.

Am besten an der Ausstellung hat mir eigentlich gar nichts gefallen, das Gebäude selbst hat schon was, es war früher ein Getreidesilo, aber bei der Raumverschwendung für die Exponate ploppte in meinem Kopf stets die Frage auf :“ Ist das Kunst oder kann das weg ?“

Am Hafengelände neben dem Museum ist das Kontrastprogramm zu den Schafsköpfen, denn hier schlürft man Austern oder knabbert an Hummern, während der Champagner vor sich hinperlt, nachdem man das Diamantenmuseum nebenan besucht hat.

Wir sind auch nicht besser, denn wir schiffen uns zur Champagner Sunset Tour ein.

90 Minuten geht es bei Chillout Klängen auf das offene Meer mit Tafelberg Blick und der langsam versinkenden Sonne.

Bei der Einfahrt in den Hafen herrscht Partystimmung und in den Restaurants knallten die Korken.

Kontrastreicher hätte es heute nicht sein können.

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