Für den heutigen Beitrag muss ich weiter ausholen…

Als ich 2003 in die Hundertschaft gewechselt habe, fühlte ich mich wunderbar aufgenommen. Knapp 4 Wochen später lag ich mit einem fiesen Schienbeinkopfbruch im Krankenhaus. Wir hatten einen Parcours gemacht und dazu gehört ein Sprung von einer 3 m hohen Mauer. Schon bei meinem Aufprall wusste ich, hier stehst du nicht mehr von alleine auf…Nach einer Odyssee bei den Krankenhäuser Anfragen, erheulte ich mir am Telefon einen Platz in der Uniklinik Bonn, nachdem ich 6 Tage mit dem Bruch zu Hause entweder auf meinen Pflanzenrollern (Marcus Superidee) durch die Wohnung manövrierte oder neben Marcus mit dem Bein in einer Beinschale im Bett lag.
Die OP verlief gut, die Heilung mit Platte, Schrauben, eigener Knochenunterfütterung aus dem Becken, konnte ich nach 3 Monaten wieder einen Bürojob machen. Mein Chef unterstellte mich Achim, der die Einführungsfortbildung für die neuen Polizisten leitete. Achim’s Spitzname war Admiral, aus “ the Dinner for one“, aber er machte auch so seinem Namen alle Ehre. Kerzengerade stand er immer da, wenn er Anweisungen gab oder Vorträge hielt.Ich dachte bei seiner Erscheinung immer ich müsste salutieren.
Aus dem anfänglichen unnahbaren Vorgesetzten wurde Achim bald zu einem super Kollegen und echten Freund für mich. Sein Geschichtswissen war grenzenlos, ihn als Joker bei : wer wird Millionär? zu haben, wäre der garantierte Gewinn.
Eines Tages fragte ich ihn was denn sein Traumziel wäre und er antwortet: Angkor Wat!

Wat ? Ich hatte zu dem Zeitpunkt keinen Schimmer, was er meinte. Nach einer kurzen Rüge zeigte er mir die Aufnahmen der Tempel auf dem Rechner und erklärt mir, dass man ein erfolgreiches Computerspiel mit einer Frau ( Tomb Raider) verfilmt hat. Die Szenerie mit Angelina Jolie wie sie durch die Tempel flitzt und kämpft kam mir dann doch in Erinnerung.
Achim tippte wieder auf den Bildschirm mit den Tempeln und sprach eher zu sich selbst: “ Ja da würde ich gerne noch hin in meinem Leben!“

Die Jahre vergingen und Achims Wünsche verschoben sich. Seine beiden Kinder machten nach der Schule ihre beruflichen Werdegänge und er berichtete immer mit Stolz geschwellter Brust von ihren Erfolgen.
Dann kamen die Schicksalsschläge, seine Frau verstarb an Lungenkrebs, die er nicht nur liebte sondern schon vergötterte. Kurz vor der Europameisterschaft bekam Achim selbst die Krebsdiagnose. Zu mir sagte er nur : “ ich will nur noch meine Pension erleben, das ist mein einziges Ziel !“ aber selbst dazu kam es nicht.
Achim verstarb letztes Jahr und hinterließ nicht nur seine untröstlichen Kinder sondern auch seine tief bestürzte Polizeifamilie.
Diesen Tag heute widme ich dir, Achim! Dein Wunsch soll noch in Erfüllung gehen durch meine Augen. Es ist meine Art Abschied von dir zu nehmen und dich somit immer in liebevoller Erinnerung zu behalten.
Hier kommt Angkor Wat…

Mit einem Tuk Tuk wird man den ganzen Tag über das riesige Gelände kutschiert, denn zu Fuß kann man die Distanzen zwischen den einzelnen Tempeln nicht zurücklegen.
Die größte Tempelanlage der Welt ist 200 km2 groß und hat 1000 Tempel vorzuweisen.
Für heute haben wir nur die kleine Tour gebucht, mit 6 Tempeln… für den bekanntesten hier, der der Inbegriff von Kambodscha. Für die Besichtigung haben wir allein 2 Stunden gebraucht und einen Fotografen engagiert.

Heute ist laut den Guides nicht viel los und nicht viel los, sieht so aus.

Nächster Tempel Nr. 2 mit schönem Eingang und einem zufriedenen Gesicht. „Banteay Kde“

Der Tomb Raider Tempel 3 mit den vielen Wurzeln.

Der richtige Name ist Ta Prohm

Das ist so unbeschreiblich hier, wie wurde damals die Tempelanlage beschrieben…kein Stift und keine Worte können dieses Wunder wirklich erklären.

Die Wurzeln haben sich so der Steine bemächtigt, dass man nur staunen kann.

Tempel 4 Ta Keo mit seinen vielen Treppen

Der Tempel 5 mit den vielen Gesichtern „Bayon“

Dieser Tempel wird leider von vielen Fledermäusen in Beschlag genommen und sie verätzen mit ihren Exkrementen die Bausubstanz.

Der Sunset Tempel Nr.6 Phnom Bakheng, auf dessen Berg wir auch hochkraxeln.

Den Sonnenuntergang hier zu sehen, ist eher eine fotografische Herausforderung, denn entweder sind die Baukräne für die Restaurierung im Weg oder die Touristen.

Okay nehmen wir das Foto mit dem Mönch, der in der digitalen Welt angekommen zu sein scheint.

Der heutige Sonnenuntergang ist heute eh nicht wirklich spektakulär, trotzdem haben sich die Massen hier hoch gequält.

Mein großer Dank für den heutigen Tag geht an Achim, der mir Angkor Wat als Sehnsuchtsort so schmackhaft gemacht hat, dass ich auch dort hin wollte. Der zweite Dank geht an Marcus, der Ehemann, der einfach immer mitkommt, egal wo es hingeht.

